Indische Hochzeit

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Ein überdimensionaler, leuchtend-orangefarbener Umschlag mit einer goldenen Lotusblüte auf der linken und einem goldenen Band auf der rechten Seite ist die Eintrittskarte für uns, an einer indischen Hochzeit teilzunehmen. Ich bin begeistert. Für mich geht mit dieser Einladung ein Traum in Erfüllung. Im Umschlag befindet sich eine reich verzierte Klappkarte, darin die Einladungsbilletts: Eines für den Empfang am Vorabend der Eheschließung und ein weiteres für die Hochzeitszeremonie, die an einem Sonntag um 6.30 Uhr beginnt. Übrigens nicht, wie ich vermutet hatte, in einem Tempel.
Mit der Freude verbindet sich wie bei fast jeder weiblichen Person, die zu einer Feierlichkeit eingeladen ist, die Frage: „Was ziehe ich an?“

Ich entscheide mich schnell gegen ein modernes Kleid. Für einen Sari fehlt mir der Mut, dagegen kann ich mir gut vorstellen, dass man mit einem Shalwar-Kameez auch als hellhäutige Frau auf einer indischen Hochzeit dem Anlass gemäß gekleidet ist. Das ist eine Kombination aus langem, kafkanartigem Operteil (Kameez) und einer weiten, an den Knöcheln mit einem engen Bund endenden Hose (Shalwar), die um Taille mit einem Band zusammengezogen wird (Madras-Stil), oder einer enganliegenden überlangen Leggins, die über den Knöcheln gerafft wird (Churidar).
Es gibt in Chennai unzählige Läden, in denen traditionelle Kleidung und die entsprechenden Stoffe angeboten werden. Ich probiere es in insgesamt vier Shops. Es stellt sich heraus, dass es gar nicht einfach ist, eine passende Kombination zu finden. Das ständige An- und Ausziehen geht mir schnell auf die Nerven, aber die Verkäuferinnen geben nicht auf, bis sie mir ihr ganzes Repertoire gezeigt haben.
Die meisten Stoffe sind viel zu grell für meinen blassen Teint. In manchem Kameez fühle ich mich wie ein Weihnachtsbaum, so viele Glitzersteine sind darauf genäht. Für einen feierlichen Anlass wählt eine Inderin einen farbenfrohen Sari mit Goldborden und –mustern. Ergänzt wird die Ausstattung mit wertvollen Schmuckstücken – Armreifen, Collier, Ohrringe. Entsprechend farbenprächtig sehen die Kameez auf, die mir eins nach dem anderen vorgelegt werden. Mir schwebt etwas Elegant-Dezentes vor, aber damit können die Verkäuferinnen einfach nichts anfangen.
Am Ende entscheide ich mich für einen relativ einfachen anthrazitfarbenen Shalwar Kameez aus einem seidigen Stoff mit einer bronzefarbenen Umrandung und passendem Dupatti (Tuch) für den Empfang und einem beigefarbenen Oberteil mit zartem Muster und grün-rot-goldener Borde am Saum für den Tag der Hochzeit. Salwar und Dupatti sind weinrot. Ich bin ganz zufrieden mit meiner Auswahl und kann mich nun unbelastet auf die Hochzeit freuen.
Als wir eintreffen, ist die Feier schon in vollem Gange. Es ist nicht die einzige Hochzeit, die heute in der Stadt gefeiert wird, sämtliche Feierhallen scheinen gebucht zu sein, und vor jeder stehen große, bunt bedruckte Plakatwände mit den Namen der Brautleute, oft ergänzt durch Fotografien, und mit Blumengirlanden verziert. Vor den Eingängen sind bunte Torbögen aufgebaut und ein zumeist roter Teppich führt zu den Stufen des Hochzeitsaales. Überall erklingt indische Musik… Auch wir werden mit indischen Klängen, durch Lautsprecher und Synthesizer verstärkt, empfangen.

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Eine Antwort »

  1. Hallo Anne,
    danke für die Beschreibung der Hochzeit, menno, wäre gerne auch mal dabei! Was für ein Erlebnis hattet ihr da! Liebe Grüße, Kerstin

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