Archiv für den Monat August 2012

Trekking-Nachtrag (18. bis 22. August): Kloster-Hüpfen über Berge, Bäche und Pässe

Standard

1. Trekking-Tag:
Ausgangspunkt ist das in einem sehr schönen Seitental liegende Kloster Likir, eine reichliche Autostunde von Leh entfernt. Es ist auf einem Hügel gebaut und seine weißen Wände leuchten schon von Weitem; je nachdem, aus welchem Blickwinkel man schaut, kann man auch die vergoldete überlebensgroße Buddha-Figur ausmachen, für die Likir berühmt ist. Dort, wo die Straße vor dem Kloster einen großen Bogen macht, steht eine Wasserpumpe. Zwei Mönche waschen in einer großen Schüssel ihre Wäsche. Der Jüngere pfeift dabei. Wir begrüßen uns mit dem für Ladakh typischen „Julee, Julee“, welches in der Regel mit einer gewissen Euphorie gerufen wird. Irgendwie fühlt man sich danach immer ein bisschen besser.
In der Schule unterhalb des vergoldeten Matreyra-Buddhas, des Buddhas der Zukunft, memorieren die Schüler Verse… Wir haben nur eine halbe Stunde Zeit, und unsere Eile, mit der wir durch das Kloster hasten, passt so gar nicht zu diesem idyllischen Ort, an dem die Zeit stehengeblieben zu scheint…
Unterhalb des Tempels blockiert ein frischer Erdrutsch die Straße: Obwohl die Sonne scheint und es hier wenig regnet, ist der Hang an einer feuchten Erdschicht abgerutscht. Es wird Stunden dauern, bis die Fahrbahn wieder befahrbar sein wird. Aber wir sind ja zu Fuß und noch guten Mutes. Es geht immer aufwärts bis zum ersten Pass. Die Sonne brennt, der Atem wird kürzer, das Herz pocht immer lauter. Wir sind dankbar für die erste Rast unter Knorpelweiden. Ein Bach verteilt sich auf der Wiese in kleine Rinnsale und sorgt für zusätzliche Kühlung. Die mitgegebenen Lunchpakete werden verzehrt. Viel zu schnell geht es weiter. Das letzte Stück zum Pass ist hart. Der Weg ist steinig und führt immer bergauf, und es gibt kaum Schatten. Vom Pass geht es dann auf der Straße ins Dorf Yangtang, wo unsere Zelte schon aufgebaut sind. Im Versorgungszelt gibt es Nescafé und Tee, dazu eine große Platte Pommes und Kekse, die aber keine große Beachtung finden, solange die Pommes locken. Gewaschen wird sich am Bach; jeder sucht sich sein eigenes ruhiges Plätzchen… Danach machen wir eine Runde durchs nahegelegene Dorf und über die Felder. Wir treffen die, wie uns scheint, älteste Frau der Welt. Um sieben ist es dunkel, und nach dem reichlichen und leckeren Abendbrot, das die zwei Köche in ihrer winzigen Küche gezaubert haben, sind alle müde und die Bewunderung des unglaublich klaren Sternenhimmels fällt kurz aus… Jeder weiß, am nächsten Tag steht die längste Etappe mit einem 4000-er Pass auf dem Programm…

20120831-215336.jpg

20120831-215543.jpg

Advertisements

Die Straßen von Indien

Standard

Sechs Stunden sind wir heute von Agra zum Delhi-er Flughafen gefahren. Eine Stunde hat es allein gekostet, um den verstopften Straßen von Agra zu entkommen, aber so eine Autofahrt ist keine Minute langweilig: da sind die überladenen Rikschas, in die sich statt der maximal drei Fahrgäste mindestens acht (!) quetschen (und eventuell noch drei weitere Mutige auf dem Dach hocken), die klapprigen Busse, deren Fahrgäste von Straßenhändlern mit frischen Kokosnuss-Spalten versorgt werden, die Lastwagen, die als fliegende Schulbusse fungieren, die mit allen möglichen Waren vollbepackten Fahrrad-Rikschas, Wasserbüffel, die sich am Straßenrand im Morast sielen, Frauen in bunten Saris, die schwere überdimensionale Paketen auf ihren Köpfen balancieren, Pilgerer mit wehenden Bärten und dicken Wanderstöcken auf dem Soziussitz von Motorrädern,
Bettler mit furchteinflößendem Aussehen, die an die Autosscheiben klopfen, wenn man gerade in Gedanken vertieft ist; und die vielen Obsthändler, die wie auf einer Perlenkette aufgereiht die Straße säumen, dazwischen Passanten aller Couleur. Ach ja, fast hätte ich doch die obligatorischen heiligen Kühe und die vielen streunenden Hunde vergessen, die von der allgemeinen Hektik völlig unbeteiligt die Fahrbahn blockieren.
Manchmal möchte ich mich einfach an den Straßenrand setzen und dem Schauspiel zuschauen, das Indien ausmacht. Unbeeindruckt bahnen sich die Menschen einen Weg durch den Schlamm, schlängeln sich durch den Verkehr, ertragen stoisch den Platzregen, der alles in Minutenschnelle durchnässt. Jeder scheint von einem tiefen Vertrauen geleitet, dass allem Geschehen eine höhere Kraft innewohnt, die über uns Menschen regiert…

In einem Straßenrestaurant essen wir noch einmal richtig lecker indisch und der Koch zeigt mir, wie man im Tandori- Ofen Naan backt. Mein eigener Versuch geht gründlich daneben, denn in dem runden Tonofen ist es glühend heiß und ich zucke erschrocken zurück. Der Spaß ist gelungen!

Der Flug von Delhi nach Chennai dauert nur knapp drei Stunden, fühlt sich aber viel länger an. Kurz nach Mitternacht sind wir zu Hause, ich lasse die Gepäckstücke nur noch fallen , wo ich gerade stehe, dusche mich schnell und genieße es, in meinem eigenen Bett zu liegen…

20120828-164102.jpg

Das indische Grabmal

Standard

Zufall, dass 1959, in meinem Geburtsjahr, der Fritz Lang-Film „Das indische Grabmal“ produziert wurde und er irgendwann in den Sechzigern gefolgt von Teil 2, „Der Tiger von Eschnapur“, zwischen Weihnachten und Neujahr zu familienfreundlicher Zeit im Fersehen lief. Über Jahre beflügelte diese fremdartige Welt meine kindliche Phantasie und sorgte für so manche nächtlichen Alpträume…
Heute, fast ein halbes Jahrhundert später, stehe ich nun vor dem Taj Mahal, der architektonischen Vorlage, deren Historie nicht nur Fritz Lang sondern auch Filmemacher vor ihm künstlerisch inspirierte.

Es stimmt, das Taj Mahal wirkt im ersten Moment kleiner als sein Abbild auf Postkarten, in Bildbänden und Geschichtsbüchern; aber es stimmt auch, dass der Anblick dieses ästhetischen Meisterwerkes den meisten Besuchern ein unbewusstes „Wow“ entlockt! Das gesamte Ensemble ist stimmig und schön, und die vielen buntbekleideten Besucher stören das Bild überhaupt nicht! Es mag albern sein, aber ich bin in diesem Moment dankbar und vielleicht sogar ein bisschen glücklich.

Das Rote Fort entschädigt uns für das gestrige Negativ-Erlebnis in der Festungsanlage in Delhi. Obwohl das Fort stürmische Zeiten erlebt hat, sind viele bildhauerische Details gut erhalten und der Kunstsinn der Moghulen-Herrscher ist wirklich beeindruckend. Die Bauarbeiten müssen Unsummen von Geld verschlungen haben… Das Gelände ist sehr weitläufig, und obwohl nur ein Teil davon öffentlich zugänglich ist, sind wir am Ende pflastermüde, verschwitzt und verklebt – und doch sehr zufrieden mit dem Tag!

20120826-220539.jpg

Delhi im Dauerstress

Standard

Delhi, dieser Moloch, hat uns wieder! Im Hotel angekommen, habe ich zunächst fast ein Gefühl von „Zuhause“ – der Lärm der Straßen, das Hupen, Klingeln, Hundenbellen – die Kakophonie einer 13-Millionen-Metropole als Kontrastprogramm zum unendlichen und einsamen Himalaya… Das heißt, sooo menschenleer waren unsere Wege dann doch nicht Aber davon vielleicht morgen; meine Augen fallen nämlich gleich zu; immerhin sind wir heute schon 4.30 aufgestanden, um den Flieger von Leh nach Delhi nicht zu verpassen.

Am Nachmittag stand das Rote Fort auf unserem Programm. Die Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert enttäuschte (siehe Foro). Zwar wurden die dort stationierten Armee-Einheiten Ende der 1960er Jahre endgültig abgezogen und das weitläufige Gelände samt der Gebäude aus der
Mogulen-Zeit dem Ministerium für Tourismus übergeben, aber der Zahn der Zeit in Komplizenschaft mit Feuchtigkeit und Umweltverschmutzung lassen die architektonischen Zeitzeugen allmählich verrotten. Werterhaltung. Sanierung, Restauration bleiben Zukunftsmusik, und das, obwohl das Red Fort alljährlich als Kulisse für die Festrede des Präsidenten zum Nationalfeiertag herhalten muss.

Metro-Fahren ist ein Muss in Delhi. Hier lernt man die Stadt und ihre Menschen kennen.
Delhi macht aber auch unwahrscheinlich müde…

20120825-225038.jpg