Erdrutsche und erhabene Bergwelt

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Aus den angekündigten acht bis neun Stunden Fahrt in unserem Toyota Inova werden zehneinhalb; und das trotz Ranas (so heißt unser immer gutgelaunte Fahrer) rasanter und oft auch verdammt risikoreicher Fahrweise. Lediglich in einem angeblich nur zwei (gefühlte fünf) Kilometer langen Tunnel mit Gegenverkehr können wir ihn davon abhalten zu überholen. Vor allem bis zur Teepause gegen halb zwölf regnet es wolkenbruchartig und die Sicht wird zusätzlich durch die ständig beschlagene Frontscheibe eingeschränkt. Der heftige Dauerregen hat die Flüsse anschwellen lassen und auch mehrere teilweise beängstigend wirkende Erdrutsche ausgelöst – riesige Felsbrocken verengen die Straße auf knappe Spurbreite. Zweimal muss der Verkehr von freiwilligen Helfern geregelt werden, sonst würde gar nichts mehr gehen, denn jeder Fahrer, ob mit Pkw, Bus oder Lkw unterwegs, denkt nur an sich und versucht trotz Gegenverkehr doch noch zu überholen.
Trotz schlechter, kurvenreicher, enger und durch den starken Verkehr recht gefährlicher Strecke genießen wir die herrlichen breiten Täler, die hohen Berge mit grünen Hängen, den gewaltigen, braunen Fluss voller Stromschnellen, der sich mal direkt neben der Straße, mal tief unterhalb von uns entlangschlängelt, und die kleinen Wohnorte mit weit leuchtenden Tempeln und bunten Gebetsfahnen.
Die Mittagspause findet gegen drei in einem simplen Restaurant mit „Live-Kitchen“ statt: Das Essen wird in einer offenen Küche vor unseren hungrigen Augen von vier „Köchen“ frisch zubereitet (die Flamme unter der Riesenpfanne schlägt dabei immer wieder dramatisch hoch) und fast zeitgleich für 17 Leute serviert. Zwar geht es dabei etwas turbulent zu, aber am Ende stimmt (fast) alles und schmecken tut es auch.
An den Teeplantagen gibt es leider nur einen kurzen Foto-Stopp, aber wir halten in Baijnath an einem kleinen aber wirklich sehenwerten Shiva-Tempel aus dunklem Kalkstein mit wunderschön erhaltenen Reliefs und Nischen-Skulpturen. Der Stier gegenüber des Eingangs zum Heiligtum wird von den Gläubigen mit Hingabe umarmt und geküsst; mir fällt nichts Besseres ein, als einen fotografischen Vergleich unserer Nasenlöcher anzustellen. (Zu wessen Gunsten dieser ausfällt, mag jeder selbst entscheiden.)
Das Hotel in Manali liegt auf 2050 m Höhe und die Zimmer haben große Fenster mit Blick zur unter uns im Kullu-Tal liegenden Stadt und bei guter Sicht zum Rohtang-Pass (3978 m), den wir am Sonntag auf dem Weg nach Keylong (3360 m) überqueren werden.

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  1. Ich bin beeindruckt, emotional hautnah dabei und voller Bewunderung über eure Abenteuerlust! Die Beschreibung der Reise vom Veranstalter läßt nur erahnen, was euch erwarten wird. Mir ist jetzt noch ganz mulmig von der Fahrt mit dem „Jeep“ zumute…:)) Ich denk an euch! Eure Ruth

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