Trampelpfade, Tempel und Tabletten

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Ausschlaf-Tag! Es ist um zehn, als wir Richtung Alt-Manali loslaufen. Der Trampelpfad durch eine Apfelplantage erweist sich als Sackgasse, deren Ende von zwei gefährlich bellenden Hunden bewacht wird. Die Altstadt liegt am anderen Ufer des Beas-Flusses und schlängelt sich das Tal hinauf. Zunächst bestimmen Souvenirläden, Reiseagenturen, Hotels und Cafes mit Namen wie „Frieden“ oder „Offene Hand“ das Bild; nach mehreren Kurven hört der Asphalt auf und alte Holzhäuser zeugen davon, dass hier die Einheimischen leben, die ihre Kühe ins Tal treiben – übrigens Männer wie Frauen gleichermaßen, ihrem Alltag nachgehen oder einfach nur dasitzen und den Touristen bei deren geschäftiger Fotografiererei zuschauen. Hinter einer weiteren Biegung steht der Manu-Tempel, der an die Landung des hinduistischen Gesetzgebers Manu genau an dieser Stelle nach der großen Sintflut erinnert… Wie sich doch die Legenden gleichen.
Sehenswert ist der 1553 erbaute Hadimba-Tempel mit interessanten Holzschnitzereien. Den oft jugendlichen aufdringlichen Safran-Verkäufern entgehen wir noch, bei den Frauen mit den plüschigen Wollknäuls zögern wir einen Moment zu lange, und schon liegt ein weißes Angora-Kaninchen in meinen Armen und ein weiteres wird mir kurzerhand auf die Schulter gepackt. Vierzig Rupies kostet ein Foto mit zwei der total verängstigten Tierchen. Der Preis ist auch bei zwei Personen nicht verhandelbar!
Unser Mittagessen nehmen wir in einem Gartenrestaurant ein, und sowohl vom Ambiente als auch vom niveauvollen Angebot her könnten wir auch im Allgäu sitzen oder irgendwo in der Schweiz. Aber das Haus wird von einer Himachali geführt, die sich, während ich meine leckere, im Holzofen gebackene Forelle mit Butter-Mandel-Soße verspeise, an ihren Rosenbeeten zu schaffen macht.
Auf dem Weg zu zwei nah beieinanderliegenden Klöstern erledigen wir die letzten Einkäufe, u.a. Trinkflaschen fürs Trekking. Ich kaufe auch Prophylaxe-Tabletten gegen Höhenkrankheit, beschließe dann aber doch, noch einen Tag damit zu warten. Vielleicht schaffe ich es ja, meine Psyche zu überlisten…
Morgen geht es um 5 Uhr auf die Piste. Unser nächstes Ziel, Keylong, liegt 120 km entfernt auf 3300 m Höhe. Und wir überqueren den Rohtang-Pass (3978 m). Es hat viel geregnet und unsere fünf Fahrer hoffen, dass die unbefestigte Straße, genauer gesagt, der National Highway 21, morgens noch nicht so zerfahren ist.
In Keylang erwartet uns eine einfache Unterkunft ohne Internet. Nach zwei Tagen Akklimatisierung geht es weiter nach Sarchu, wo wir in einem Zeltcamp auf 4200 m übernachten. Wenn ich das schaffe, wird alles gut. Ein Glas Cider-Bier hilft mir hoffentlich schnell einzuschlafen…

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Eine Antwort »

  1. …du schaffst das! Jedenfalls hast du meine mentale Unterstützung und die Unmittelbare in deiner starken männlichen Begleitung mit Eckard und Tom!Belohnt wirst du garantiert mit atemberaubenden Bildern der Landschaft, unvergesslichen Eindrücken und die Freude über die Überwindung des eigene „Schweinehunds“. Ich bin bei dir, bei euch! Eine liebe herzliche Umarmung, deine Ruth

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