Höhentraining über Heuwiesen

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Frühstück auf der Sonnenterasse entschädigt mich für die unruhige Nacht und den permanenten Kopfschmerz. Danach zieht unser Trupp gemächlich durchs Dorf. Am Krankenhaus steigen wir ins Tal hinab und überqueren den Fluss. Von hier geht’s fast nur noch bergauf. Unser Ziel ist ein auf rund 3500 m Höhe gelegenes buddhistisches Kloster. Kurz hinter der Brücke macht die Erste schon schlapp, aber auch wir quälen uns Schritt für Schritt den Berghang hinauf, durchs Dorf mit den hohen Strohhaufen als Wintervorrat für die Tiere auf den Dächern, zwischen Gemüsefeldern mit Kartoffeln, Bohnen, Karotten, Zwiebeln und Zucchini hindurch, an Wiesen mit Zwergweiden vorbei; später säumen Olivenbäume und vereinzelte Nadelbäume unseren Weg. Die bunten Sommerwiesen an den steilen Hängen sind zum Teil schon gemäht und Frauen packen das Heu zu großen Bündeln zusammen, die sie sich suf den Rücken schnallen und so nach Haus transportieren. Der Sommer ist kurz und muss genutzt werden, um genug Futtervorrat für die langen Wintermonate zu schaffen. Es muss eine höllisch schwere Arbeit sein, so einmalig schön die Natur hier auch ist inmitten dieser gigantischen Bergwelt; in diesem Moment möchten wir ganz bestimmt nicht tauschen, denn auch ohne Heuballen auf dem Rücken japsen wir schon nach wenigen Metern und müssen immer wieder verschnaufen. Drei Liter Wasser verdunsten förmlich in unseren Kehlen… Für ein erstes Höhentraining ist der Aufstieg schon recht anspruchsvoll. Aber nach zwei Stunden sitzen wir alle auf den kühlen Marmorstufen des Eingangsportals. Im Tempel selbst darf man nicht fotografieren, aber der Raum mit der alles und alle überragenden vergoldeten Buddha-Figur ähnelt denen der Tempel in Manali. In einem kleinen Neben-Tempel hängt eine große Gebetsmühle. Es kostet Kraft sie ihn Bewegung zu setzen…
Der Abstieg fällt nicht wesentlich leichter als der Aufstieg, zumal es ja am Schluss noch einmal runde 100 Höhenmeter vom Talbett ins Dorf nach oben geht. Dass die Sonne vom blauen Himmel strahlt, macht die Kletterei auch nicht leichter. Oben angekommen, füllen wir erst einmal unsere Wasservorräte wieder auf. Die Dusche ist ein Labsal und das Nickerchen danach erholsam.

Inzwischen sind meine Kopfschmerzen doch weg und ich fasse wieder ein bisschen Mut für die morgige Passüberquerung und unsere erste Nacht in Zelten auf 4200 m. Ich habe versucht, vor allen Gruselgeschichten über Symptome von akuter Höhenkrankheit meine Ohren zu verschließen, und sowieso gibt es kein Zurück mehr…

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