Schlafen auf 4300 m ü.M.

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Heute, also am 14. August, überqueren wir den ersten 4000-er Pass, und ich habe schon wieder ein bisschen Fracksausen! Die Nacht war eigentlich ganz gut und meine Kopfschmerzen sind zum Glück weg. Wir sitzen beim Frühstück wieder auf der sonnigen Terrasse. Eigentlich möchte ich hier gar nicht so richtig weg, aber die Fahrer scharren schon mit den Hufen, obwohl die heutige Strecke kurz ist – kurz, aber aufregend, denn die Straße schlängelt sich serpentinenartig bis auf 4890 m auf den Baralacha La (La heißt Pass auf Ladhaki). Hier oben pfeift ein eisiger Wind und mein Stirnband und der Windbreaker kommen das erste Mal zum Einsatz. Unser Fahrer hat sich einen Schal ganz verwegen um den Kopf gebunden; eine Jacke könne er sich angeblich nicht leisten… Diesmal habe ich keine Gebetsfahnen griffbereit, aber „Manni“, der mit uns im Auto sitzt, lässt mich das Ende seiner Fahne festknüpfen und wir halten diesen Moment natürlich auch fotografisch fest. Mir ist schwummrig und die Kopfschmerzen sind wieder da. Deshalb bin ich vorsichtig und esse im blitzsauberen Straßenrestaurant mit breiten, weißbezogenen Matrazen und großen Kissen an der Wand nur wenig vom frisch zubereiteten Gemüsereis mit der exakt richtigen Menge an roten und grünen Chili-Schoten und frischen Erbsen. Das merkwürdig fahle Licht, das durch die blaue Zeltplane dringt, die als Dach dient, verstärkt mein ungutes Gefühl. Außerdem produziert die Kochstelle eine ungemeine Hitze.
Bevor wir weiterfahren, kaufe ich noch warme Schafwollmützen. Ich finde, sie sind schöne Mitbringsel, auch wenn sie im benachbarten Nepal hergestellt werden.

Unterwegs hat eines unserer Autos die erste von mindestens vier Reifenpannen; ausgerechnet der kranke Fahrer; das ist wirklich schlechtes Karma! Die Reparatur geht fix, und ich bleibe ohnehin im Auto sitzen, denn unsere Reisebegleiterin hat mir „Rupien, Rupien“, die Buchvorlage zu „Slumdog-Millionär“, geliehen und obwohl es keine hohe Literatur ist und ich den Film schon kenne, fasziniert mich die Geschichte…

Gegen halb vier sind wir im Zeltlager auf einer Hochebene bei Sarchu auf ca. 4300 m Höhe. So mitten in den Bergen muten die großen Zweibett-Zelte mit abgetrennter Toilette und Waschbecken wie purer Luxus an!
Wir trinken zufrieden Tee im Versorgungszelt, machen einen Spaziergang zum „Canyon“, den der Fluss in das poröse Gestein gegraben hat, und ich nutze die letzten Sonnenstrahlen um vor unserem Zelt zu schmökern.
Mit drei Tassen Schwarztee im Bauch und sämtlichen Klamotten auf dem Leib krieche ich in den Schlafsack und Ecki deckt mich noch mit einer Stepp- und einer Wolldecke zu. Trotzdem dauert es lange, bis meine Füße warm sind und ich in einen unruhigen Schlaf falle…

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Eine Antwort »

  1. Schritt für Schritt erobert ihr euch die Höhenkilometer – ich finde es immer wieder bewundernswert, wie ihr alle „Drei“ diese Herausforderung annehmt, die neue Eindrücke förmlich aufsaugt, wie ein trockener Schwamm und euch auf den neuen Tag freut. Meine liebe Schwester – ich bin stolz auf dich! Respekt! Ich drücke dich, euch ganz lieb! Ihr schafft das, da bin ich mir ganz sicher!! By Ruth

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