Die Straßen von Indien

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Sechs Stunden sind wir heute von Agra zum Delhi-er Flughafen gefahren. Eine Stunde hat es allein gekostet, um den verstopften Straßen von Agra zu entkommen, aber so eine Autofahrt ist keine Minute langweilig: da sind die überladenen Rikschas, in die sich statt der maximal drei Fahrgäste mindestens acht (!) quetschen (und eventuell noch drei weitere Mutige auf dem Dach hocken), die klapprigen Busse, deren Fahrgäste von Straßenhändlern mit frischen Kokosnuss-Spalten versorgt werden, die Lastwagen, die als fliegende Schulbusse fungieren, die mit allen möglichen Waren vollbepackten Fahrrad-Rikschas, Wasserbüffel, die sich am Straßenrand im Morast sielen, Frauen in bunten Saris, die schwere überdimensionale Paketen auf ihren Köpfen balancieren, Pilgerer mit wehenden Bärten und dicken Wanderstöcken auf dem Soziussitz von Motorrädern,
Bettler mit furchteinflößendem Aussehen, die an die Autosscheiben klopfen, wenn man gerade in Gedanken vertieft ist; und die vielen Obsthändler, die wie auf einer Perlenkette aufgereiht die Straße säumen, dazwischen Passanten aller Couleur. Ach ja, fast hätte ich doch die obligatorischen heiligen Kühe und die vielen streunenden Hunde vergessen, die von der allgemeinen Hektik völlig unbeteiligt die Fahrbahn blockieren.
Manchmal möchte ich mich einfach an den Straßenrand setzen und dem Schauspiel zuschauen, das Indien ausmacht. Unbeeindruckt bahnen sich die Menschen einen Weg durch den Schlamm, schlängeln sich durch den Verkehr, ertragen stoisch den Platzregen, der alles in Minutenschnelle durchnässt. Jeder scheint von einem tiefen Vertrauen geleitet, dass allem Geschehen eine höhere Kraft innewohnt, die über uns Menschen regiert…

In einem Straßenrestaurant essen wir noch einmal richtig lecker indisch und der Koch zeigt mir, wie man im Tandori- Ofen Naan backt. Mein eigener Versuch geht gründlich daneben, denn in dem runden Tonofen ist es glühend heiß und ich zucke erschrocken zurück. Der Spaß ist gelungen!

Der Flug von Delhi nach Chennai dauert nur knapp drei Stunden, fühlt sich aber viel länger an. Kurz nach Mitternacht sind wir zu Hause, ich lasse die Gepäckstücke nur noch fallen , wo ich gerade stehe, dusche mich schnell und genieße es, in meinem eigenen Bett zu liegen…

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