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Und zu guter Letzt: Schussfahrt vom höchsten befahrbaren Pass der Welt

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Ein freier Tag in Leh bleibt uns noch! Unser Benjamin bohrt seit Tagen: Er möchte mit ein paar anderen verrückten Radlern von unserer Truppe mit dem Mountainbike vom Khardung-La, dem mit 5602 Metern höchsten befahrbaren Pass der Welt, die 39 km Serpentinen ins Tal nach Leh abfahren. Nach den Erfahrungen unserer Passüberquerungen geht uns „Alten“ angesichts dieses Vorhabens ein bisschen die Muffe: Soll man sein Schicksal wirklich derart herausfordern? – „Ja!“, lautet am Ende die Antwort für unser Trio und so sitzen wir am 24. August Punkt 11 Uhr im Jeep gen Pass. Das Begleitfahrzeug mit den Mountainbikes fährt vorneweg. Auf der zweistündigen Fahrt Richtung Nubra-Tal wird uns beim Blick hangabwärts schon ein bisschen mulmig, und ich überlege mir schon mal, das Fahrrad gegebenenfalls zurück zu schieben…
Auf dem Pass ist ganz schön Betrieb; nicht nur wir stehen ehrfürchtig vor den vielen im Wind wehenden Gebetsfahnen… Die buddhistischen Klänge aus dem Lautsprecher sorgen für die entsprechend feierliche Atmosphäre… Dann wird es spannend. Unsere Begleiter drängen uns, „Gas“ zu geben, denn in einer knappen Stunde soll einige Kilometer unterhalb des Passes eine Felswand gesprengt werden, um die Straße zu erweitern. Die Gangschaltung an meinem nagelneuen Mountainbike ist überhaupt nicht eingestellt und rutscht, aber der Techniker meint, ich bräuchte eher nur die Bremsen. Die stellen für mich allerdings auch eine Herausforderung dar, denn ich habe zu Hause ein Tourenrad mit Rücktritt… Zwangsläufig weiß ich während der gesamten Abfahrt auch nicht so richtig, was tun mit meinen Beinen?! – Eigentlich nichts, außer auf der Pedale bleiben! Unklar, dass ich am nächsten Tag bösen Muskelkater in den Waden haben. Ansonsten bin ich gaaaanz gaaaanz vorsichtig, obwohl ich doch schon mit geschätzten 50 km/h unterwegs bin, stellenweise,-)) Ich habe keine Lust, über den Lenker zu fliegen. Unser kleiner Laster ist jedenfalls immer in Hörweite hinter mir. Aber einer muss ja auch bei einer Schussfahrt das Schlusslicht sein! Eins steht fest: Spaß macht die Sache! Und es ist längst nicht so gefährlich, wie es auf der Hinfahrt im Jeep aussah. Allerdings brauche ich 3 Stunden und 5 Minuten bis zum Ziel. Der Schnellste war wohl ganze 47 Minuten unterwegs. Unser Vortrupp schafft es in knapp zweieinhalb Stunden, „Benjamin“ allerdings mit ein paar Schürfwunden, zwei gestauchten Handgelenken und einer kleinen Fleischwunde am Bauch, die er sich, genau, beim Sturz über den Lenker zuzieht, als er wegen eines entgegenkommenden Fahrzeuges scharf bremsen muss. Aber solche Wunden sind dann eher Trophäen,-))
Mein Bedarf an Adrenalin ist an diesem Tag jedenfalls gedeckt, und ein bisschen stolz bin ich auch. Wer kann schon von sich sagen, mit einem Fahrrad auf dem höchsten Pass der Welt gewesen zu sein?! Ach ja, und das nächste Mal trete ich natürlich auch nach oben in die Pedalen!!!

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