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5. und allerletzter Trekking-Tag

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Also eigentlich wollte ich heute faulenzen, aber dann schnüren wir doch noch mal die Wanderstiefel an und laufen zum Mangyu Gonpa. Von Ule Topko gibt es keine Straße zum Dorf und dem dazugehörigen Kloster, obwohl wir, nachdem wir den Indus auf einer Fußgängerbrücke überquert und durch an ein paar Gehöften vorbeigelaufen sind, auf eine breite Straße treffen, die sich allmählich nach oben schlängelt. Unsere Reisebegleiterin macht ordentlich Betrieb; endlich kann sie mal Tempo machen, nachdem sie bei den zum Programm gehörenden Touren immer das Schlusslicht machen musste.
Die Dorfbewohner sind mit der Ernte beschäftigt, der Lehrer ist irgendwie verschwunden und die Kindergärtnerin fuchtelt überfordert mit ihrem Weidenstöckchen und sie herrscht die Kinder mit schriller Stimme an, obwohl sich auch die Schüler der oberen Klasse um die Kleinen kümmern.
Das Kloster Mangyu wird restauriert. Die Holzdecke des kleinen Tempels ist schon erneuert, heute sitzen zwei Restauratoren auf einem Podest und dokumentieren die
Schäden an den Wandmalereien. In den nächsten Jahren sollen dann die eigentlichen Arbeiten beginnen.
Auf dem Rückweg, auf der Suche nach einer Tasse Tee, werfe ich noch einen Blick in eine einfache und picobello aufgeräumte ladakhische Küche.
Der Rückweg ist leicht und wir genießen ihn bewusst; ein bisschen Wehmut schleicht sich in die gute Laune: Eigentlich schade, dass das Trekking nun endgültig vorbei ist.

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4. Trekking-Tag

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Der Tag beginnt harmlos: ich fühle mich erholt und freue mich auf den letzten Trekking-Tag, der nur drei Stunden dauern und am Indus enden soll. Nach dem wie immer ausgiebigen Frühstück verabschieden wir uns von unserer Begleit-Crew und zogen los gen Bongbong-La, der mit 3600 m Höhe eine eher mäßige Herausforderung darzustellen schien. Zunächst geht es einem Bachlauf entlang, vorbei an Aprikosengärten, gelbgefärbten Getreidefeldern und mit Früchten gespickten stachligen Sanddornsträuchern… Hinter einer Holzbrücke beginnt der Aufstieg zum Pass…, der leider nicht so locker-flockig zu nehmen ist, wie wir uns das vorgestellt haben. Deshalb gibt es auf dem Bongbong-Pass noch ein gemeinsames Foto von uns. Der Abstieg zum Leh-Srinagar-Highway ist dafür relativ unanstrengend aber besonders am Ende sehr sehr staubig…
Der Tee in der winzigen Imbiss-Bude tut gut. Die Autos warten schon auf uns und wir fahren ins 40 km entfernte Lamayuru-Kloster, eine interessante Anlage mit einer Höhle, in der ein buddhistischer Mönch im 12. Jahrhundert meditierte – nicht Tage, Wochen, Monate oder Jahre sondern eine ganze Lebenszeit… Die Höhle ist verstaubt, und irgendwie vermisse ich die Gebeine des Einsiedlers; stattdessen stehen einige Buddhafiguren rum.
Die Fahrt zum letzten „Zeltplatz“ zieht sich, denn obwohl wir auf dem National Highway 1 fahren, ist die Fahrbahn immer wieder durch Bergrutsche und Großbaustellen eingeengt. Die Arbeiten werden oft mit primitivesten Mitteln durchgeführt und die BauarbeiterInnen(!) sind ohne Schutz dem Dreck, Staub und Lärm ausgesetzt. Ihre primitiven Zelte stehen direkt am Straßenrand, die Frauen tragen ihre Kleinkinder auf dem Rücken oder haben den Korb mit ihrem Baby neben sich abgestellt; größere Kinder spielen in der Nähe oder helfen Steine schleppen. Wir haben leicht reden und irgendwie steht uns gar kein Urteil zu, trotzdem bin ich immer wieder geschockt, wenn wir an den Bautrupps und Steineklopfern vorbeifahren.
Der Zeltplatz in Ule Topko ist komfortabel. Die Zelte stehen auf massiven Fundamenten und werden nur in den Wintermonaten abgebaut. Und: Ich kriege eine ayurvedische Massage! Naja, ich hatte schon bessere, aber ich will nicht meckern. Hier im Ule Eco Resort ist Zeit zu lesen und die Seele baumeln zu lassen…

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3. Trekking-Tag:

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Heute geht es über zwei 3800 -er Pässe von Hemis nach Temisgang. Wie immer strahlt die Sonne vom stahlblauen Nachtrag Himmel, der mit ein paar dramatischen weißen Wolken dekoriert ist. Zunächst geht es noch ein Stück durchs Dorf, bevor wir in die typisch ladakhische Bergwelt mit den grauen, braunen, rötlichen und grünlichen Felsen und den riesigen Geröllhalden eintauchen. Aber auch hier gibt es ab und zu ein paar Pflanzen: große violette Sträucher, Silberdisteln, sogar Enzian… Berg- und Pflanzenwelt deuten auf eine ähnliche Entstehungsgeschichte der Alpen und des Himalayas hin, weiß der Geologe unter uns.
Wir erreichen das nächste Dorf in den frühen Nachmittagstunden, sind von der Schönheit der Gärten, den vollen Aprikosen- und riesigen Walnussbäumen begeistert und Staunen über die vielen großen Häuser mit den holzverkleideten Verandas. In den Reiseführern wird dieses Dorf als wohlhabend bezeichnet. Sicher tragen auch die Touristen zu diesem Reichtum bei, aber ich kann mir vorstellen, dass die Aprikosen auch eine gute Einnahmequelle sind. Sie werden frisch, getrocknet, als Marmelade und als Saft verkauft. Überall frocknen die Früchte auf den Dächern und Wiesen, und die Bauern bringen weitere Kiepen voller Aprikosen in die Höfe. Auch auf den reifen Getreidefeldern wird gearbeitet, und Tierfutter trocknet auf den Flachdächern. Trotz der Betriebsamkeit der Menschen fehlt jegliche Hektik.
Auch wir verschwinden erst einmal für ein Nickerchen in die Zelte oder auf die Wiesen unter den Pappeln, bevor wir uns am Spätnachmittag mit dem Lastkraftwagen ins oberhalb des Ortes gelegene Kloster, von dem man einen tollen Blick in die Täler hat. Das Dorf zieht sich wie eine große grüne Oase zwischen den Bergrücken entlang. In der Abendsonne marschieren wir talabwärts und begegnen überall entspannten Menschen…

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2. Trekking-Tag

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Wir werden mit heißem Tee, der an unsere Zelte gebracht wird, geweckt. Später gibt es ein ausgiebiges Frühstück mit Porridge, Cornflakes, in der Pfanne gebratenem Toast, Rührei, Honig, Peanutbutter und hausgemachter Aprikosenmarmelade. Nicht alle sind gut drauf, ein paar haben Magenprobleme oder trauen sich die 8 bis 9 Stunden- Tour nicht zu; sie laufen mit dem Koch, der aus der Gegend stammt, eine kürzere Strecke oder fahren mit dem LKW, was auch eine Herausforderung ist, denn Zelte und Gepäck müssen mit, und es gibt in dem Metallaufbau keine Sitzplätze oder Haltemöglichkeiten…

Zunächst steigen wir ins Tal hinab, der Gebirgsfluss ist klar und sieht harmlos aus. Dass der Schein trügt, merken wir, als wir ihn das erste Mal überqueren müssen, weil der Weg weggespült wurde. Die Strömung ist stellenweise sehr stark und das Wasser eiskalt – kein Vergnügen! Mehrmals heißt es noch, Schuhe aus und ab durchs kalte Nass, wobei auch die rutschigen Steine eine Gefahr darstellen… Zum Glück fällt niemand ins Wasser, einziger Verlust bleibt eine Brille, die bei einem kühnen Sprung ans Ufer von einer Nase rutscht und nicht wieder gerettet werden kann. Die unfreiwillige Wasserhüpferei kostet Kraft und Zeit. Irgendwann ist es dann aber geschafft, wir verlassen das Flussbett und steigen zum Kloster Rihzong hinauf. Aber auch das ist mit Nervenkitzel verbunden: Wir schlängeln uns über Geröllfelder, auf Wegen, die kaum zwei Fußbreit messen; am besten, also lieber überhaupt nicht nach unten ins Tal sondern immer nur auf die Füße schauen und sich auf die Schritte konzentrieren. Früher war das Kloster wirklich abgeschnitten von der Zivilisation und man konnte es nur zu Fuß erreichen. Inzwischen führt eine Straße hierher. Dennoch, die Mönche leben hier nach den strengsten Regeln, was immer das in einem Kloster bedeutet.
Tom trocknet auf den sonnigen Stufen seine Strümpfe, die bei einem unfreiwilligen Bad im Fluss nass geworden sind und wir stürzen uns auf die Lunchpakete…
Von Rihzong geht es dann nur noch bergauf bis auf knapp 4100 m. Wir machen die Schlusslichter, aber irgendwann haben wir es glücklich auch geschafft. Den Weg nach unten ins Dorf Hemis Sukpacheng und von dort bis ans andere Ende des Ortes zum Zeltplatz finde ich viel schlimmer; meine Zehen schmerzen und meine Moral ist im A…
Ich bin dankbar, als ich die schweren Bergstiefel gegen die Trekking-Sandalen eintauschen kann. Außer Essen und Waschen im Bach passiert an diesem Tag – nach 11 Stunden Wanderung – nicht mehr viel!

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